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PARACHUTES

2011 zogen PARACHUTES die Reißleine. Nach zehn Jahren als Band, nach fast vierhundert Konzerten in ganz Europa, nach Shows mit RISE AGAINST, KILLSWITCH ENGAGE, BOYSETSFIRE, SILVERSTEIN, UNDEROATH oder TAKING BACK SUNDAY, nach drei Alben, nach mehreren Besetzungswechseln und schließlich dem Ausstieg von Hauptsongwriter Elmar Weyland erkannten die Saarländer, dass es so nicht weitergehen konnte. “Wir waren total ausgebrannt und brauchten eine Pause – auch wenn wir uns das zuerst nicht eingestehen wollten”, erinnert sich Gitarrist Carsten Jung. Während der folgenden Auszeit widmeten sich die Musiker einerseits den vielen privaten und beruflichen Dingen, die zuvor auf der Strecke geblieben waren, machten sich andererseits aber auch in aller Ruhe Gedanken über die Zukunft ihrer Band.

“In einer solchen Situation fragt man sich natürlich auch, ob man das alles überhaupt weitermachen will”, gibt Jung zu. Letztendlich beantwortete sich diese Frage aber von selbst. Gitarrist Christian Hunsicker wechselte an den Bass, die beiden Neuen (der ehemalige ROAD TO KANSAS-Schlagzeuger Stefan Schaus sowie Gitarrist David Halberstadt, ein langjähriger Freund der Band) integrierten sich prächtig, der Rest ergab sich aus den Lehren der Vergangenheit: sich selbst nicht mehr so unter Druck setzen, die gemeinsame Zeit im Proberaum besser nutzen, sich weniger abschotten und das Umfeld stärker miteinbeziehen. “Kurz gesagt: Wir haben einfach wieder Bock.”

Darauf wäre man nach dem Hören der neuen Platte allerdings auch selbst gekommen. “Blueprints” erzählt die (fiktive) Geschichte des Architekten Nate Anderson und ist das mutige Album einer Band, der ihr Genrekorsett zu eng geworden ist. “Wir haben uns von einer Drei-Akkorde-Punkband zu einer Drei-Akkorde-Emo/Screamo/Post-Hardcore-Schubladen-Band zu einer Drei-Akkorde-Rockband gewandelt”, fasst Carsten Jung den Werdegang von PARACHUTES augenzwin-kernd zusammen. “Dieses Mal haben wir von Anfang an gesagt, dass musikalisch alles erlaubt ist, und im Gegensatz zu den alten Platten viel mehr experimentiert. Wir wollten uns weder auf einen bestimmten Stil festlegen noch an den Restriktionen festhalten, die wir uns in den letzten Jahren selbst auferlegt hatten. Und wir wollten uns vor allem nicht wiederholen. Wir wollten uns einfach von dem lösen, was war, und etwas für uns komplett Neues schaffen.”

Bei den Aufnahmen setzte die Band dagegen auf Altbewährtes. Wie bereits alle vorangegangenen Alben wurde auch “Blueprints” in den SU2 Studios von Phil Hillen produziert, der erstmals auch das Mastering übernahm. Was den Sound der Platte betrifft, hatten PARACHUTES von Anfang an sehr konkrete Vorstellungen: “Wir wollten eine Platte machen, auf der alles ,echt’ ist – Drums ohne Trigger, keine emulierten Verstärker, kein Auto-Tune-Quatsch, einfach eine Platte mit einem transparenten Sound. Phil hat die Entwicklung des Albums von Anfang an mitverfolgt. Es gab keinen Grund, bei irgendjemandem ein teures Mastering machen zu lassen, der im Endeffekt nicht wirklich versteht, worum es uns geht, und über das rein geschäftliche Interesse hinaus keinen Bezug zur Platte hat. Die Atmosphäre des Albums, der richtige Sound, das Erzählen einer Geschichte – all das war uns wichtiger als Namedropping und Rockstargehabe.” Manchmal führt das Ziehen an einer Reißleine eben nicht dazu, dass man abgebremst wird, sondern dass sich der Blick auf das Wesentliche verbessert. Und genau das macht “Blueprints” zu einer perfekten Blaupause für spannende Rockmusik.

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