RANTANPLAN

Wir erinnern uns: Rantanplan ist der trottelige Polizeiköter aus Lucky Luke. Und seit geraumer Zeit auch der Name einer Hamburger Band, bei der diverse bekannte(re) Gesichter zu entdecken sind. Etwa das von Marcus, der sonst bei …But Alive am Mikro hängt, oder jenes von Torben, den man auch schon mit Bandog gesehen hat. Doch hier gibt´s weder das eine noch das andere, sondern heftig ins Bein gehende Ska-Beats, die sich wohltuend vom primitiven, plumpen Gehoppel der Alibi-Ska-Songs ach so vieler ‘Melodic’-Punkbands abheben. Vielmehr, und das gibt die Band auch offen zu, ging hier allen Beteiligten die Begeisterung für Operation Ivy, Mighty Mighty Bosstones und die Specials durch. Das Ergebnis kann sich in jeder Hinsicht sehen lassen: das Gebläse pustet ordentlich, die Produktion trieft vor Fett, und spieltechnisch sind die Jungs auch alle fit, so daß abwinkendes Genöle à la ‘Och nee, jetzt fangen die auch noch mit sowas an’ völlig verfehlt ist. Tut gut!
Joachim Hiller

Aber hallo! Das Drittwerk der Hamburger Ska-Punkrocker begeistert schon beim ersten Hördurchlauf – und zwar gänzlich ohne Samba-Rhythmen.
Man durfte gespannt sein, wie sich der Sound von Rantanplan entwickeln würde, nachdem sich die quasi-Hauptband …But Alive im Jahr 1999 auflöste, schließlich hielten bei beiden Bands die gleichen Sänger (Marcus und Torben) das Mikro in der Hand. Prinzipiell sind Rantanplan ihrem Sound auch im Jahre 2001 treu geblieben: Schöne Bläser paaren sich mit wunderbaren Melodiebögen und ebenso schönen Gesangslinien, ebenso wurde ganz traditionsgemäß nach Brecht und Rilke nun ein Gedicht von Nietzsche (“Ecce Homo”) musikalisch umgesetzt. Alles beim Alten also? Nicht ganz, denn textlich hat die Band ihren Themenschwerpunkt etwas weg vom Politischen und hin zum Persönlichen verlagert, was ihnen gut zu Gesicht steht. Weiterhin gibt es erstmals einen puren Reggae-Track (“Flucht nach vorn”) – auch gut, so lange das nicht zur Regel wird. Letztendlich beweisen Rantanplan mit 50 Minuten “Samba”, gerecht aufgeteilt auf 18 Tracks, dass sie viel mehr als nur ein Nebenprojekt der Hauptband waren. Sehr gut! VISIONS Nr. 96

Die Ska-Punk-Welle ist längst nach Europa geschwappt: bei etwas genauerem Überlegen würden mir sicher ein Dutzend hiesiger Bands einfallen, die sich an Bosstones und Op Ivy versuchen – und dann sind da Rantanplan aus Hamburg, die schon vor drei Jahren auf diesem Feld debütierten und alle anderen Ska-und-Bläser-und-Punk-Kapellen hierzulande auf ihre Plätze verweisen. Hier wird, und das ist das angenehme am zweiten Album der Lucky Luke-Fans aus dem Norden, nicht einfach nur schlapp-melodischer Punk mit billigen Skabeats verquirlt, was heutzutage leider schlechter Standard scheint, sondern es treffen sehr schön arrangierte Bläsersätze (Trompete und Posaune) auf bissige Punkgitarren und wuchtiges Drumming. Das hat Groove und Wucht. Auch diesmal gibt´s wieder rein deutsche Texte, mal stakkatohaft rausgeschleudert, mal eher gesungen. Das kommt ausgesprochen gut, und inhaltlich sind die Songs mit der gewohnten Mischung aus Persönlichem und Politischem ebenfalls eine Klasse für sich. Musik für Bein und Hirn zugleich, produziert von Christian Mevs im Soundgarden-Studio. Und die Coverversion von Funny van Dannens “Unbekanntes Pferd” ist auch eine sehr schöne Sache. Aber am besten kommen Rantanplan sowieso live, also: Ausschau halten, wann die Burschen auf Tour sind Joachim Hiller

Drei Jahre, zwei Alben, permanente Bühnenpräsenz-keine schlechte Bilanz. Andere Bands schaffen es in dieser Zeit nicht mal, auch nur ein Demo aufzunehmen. “Tja, wir verstehen halt was von unserem Metier”, lacht Torben. “Ich denke, der Trick ist, daß wir sechs uns untereinander schon recht lange kennen. Wir haben immer wieder mal zusammen im Wohnzimmer gesessen und musiziert, da gab es keine lange Phase des Kennenlernens. Es gab praktisch schon fertige Songs, bevor wir die Band überhaupt gegründet hatten.” Torben und Marcus, die Haupttextschreiber der Band, sind überdies seit Jahren als Basser bzw. Gitarrist und Sänger von …But Alive ein eingespieltes Team. Seit ein Rezensent anläßlich des ersten Albums den Begriff ‘Tanzmusik’ aufbrachte, um damit den doch etwas anders ins Bein gehenden Punkrock-Sound zu beschreiben, muß das Hamburger Sixpack sich diese Beschreibung öfter gefallenlassen – ein Problem? “Von uns selbst kommt der Begriff nicht”, lacht Reimer. “Aber ich finde ihn schon recht treffend, denn zu dem, was wir machen, paßt es eben nicht, Pogo zu tanzen.” Mit der Konsequenz, daß das trotz erhöhter Ska-Quote meist mehrheitlich punkige Publikum etwas relaxter zur Sache geht und vor der Bühne erheblich weniger gerempelt wird – eine Sache, die der Stimmung auf Rantanplan-Konzerten doch recht zuträglich ist. Joachim Hiller

Label: Rough Trade

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